Mgr Ravel : Die Komplementarität - Carrefours.alsace

DeWörter führen uns häufig in eine Falle. Zum Beispiel der Ausdruck Komplementarität. Mit unseren „Ergänzungsversicherungen für die Gesundheit“ oder den „Ergänzungsversicherungen für den Ruhestand“ befinden wir uns auf dem Holzweg um dies genau zu verstehen.

Mit diesen“ Ergänzungen“ gönnen wir uns eine zusätzliche Finanzierung für die Erstattung unserer Kosten oder eine Zusatzfinanzierung für unseren Ruhestand.

Mgr Luc Ravel / Erzbischof von Straßburg

Sie geben uns also eine Ergänzung im Sinne eines Zusatzes, auf den man verzichten könnte; im Übrigen viele Leute haben nicht diese Art von Unterstützung. Ergänzend unterstreicht oft etwas nachträglich mit Glück Hinzugefügtes an eine schon gefestigte Wirklichkeit, die sich selbst genügen könnte.

Aber die Komplementarität von der wir in der Kirche sprechen nimmt mehrfache Formen an, aber niemals die eines Zusatzes, der zwar angenehm aber zweitrangig ist. So wie die Kirche es versteht, bezeichnet sie immer einen Bedarf, eine Notwendigkeit zu zweit zu sein, um zu handeln.

Sie lässt nicht die Wahl, auf diese ergänzende Person zu verzichten, denn sie ist unentbehrlich. Man kann auf einen Zusatz aber nicht auf eine Ergänzung verzichten. Wenn der Mensch so tun kann, als ob er auf die angenehmen Zusätze um ihn herum verzichten könnte, die ihm das Leben verbessern, so kann er nicht auβer Acht lassen, dass er nicht vollständig er selbst ist ohne die, die ihn ergänzen.

Trotzdem genügt es nicht, eine Notwendigkeit für den Menschen zu sein, um ihn zu ergänzen. Das Brot ist notwendig, aber es ist keine Ergänzung des Menschen. Eine andere Eigenschaft ist gefordert, um in die Komplementarität einzutreten: Die Anerkennung einer gleichen Würde. Eine gleiche Würde und die Anerkennung dieser gemeinsamen Würde: solange ein Sklave als ein „Gegenstand“ angesehen wird, kann er nicht meine Ergänzung sein und ich lebe mit ihm keine schöne Komplementarität: er steht mir bei, wie eine Maschine oder ein Tier es tun können, aber er ergänzt mich nicht.

Solange ich nicht in diesem menschlichen Wesen an meiner Seite nichts anderes als mein anderes Ich sehe, trete ich nicht in eine wahre Komplementarität ein. Jeder kann seine Sicht der Frau, des Mannes, des  Behinderten Krüppels, dessen, den ich bezahle, um mir zu dienen etc. überdenken.

Die Komplementarität wird zwischen menschlichen Personen, die beim Anderen diese Würde wahrgenommen und gefeiert haben, die man ihnen nicht bewilligt, sondern die man ihnen anerkennt der Eigenen zu entsprechen, gelebt. Man wird vielleicht einwerfen, dass man mit manchen Tieren eine schöne Komplementarität lebt.

Sicher, sie sind keine Maschinen, sondern empfindsame Wesen, oft sehr anhänglich und „verstehend“. Mit ihnen lebt man eine wunderbare Kameradschaft aber keine Komplementarität, trotz des Wohles, das sie mir spenden können, wenn manche meiner Menschenbrüder mich verletzen oder sich von mir abwenden.

Die Komplementarität zwischen Menschen, zwischen Mann und Frau, zwischen Priestern und Laien, zwischen Starken und Schwachen ist ein Anruf Gottes, denn es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Wer sie  von sich abtropfen lässt, gerät in das Feld Lager der Verlierer. Wer sie ergreift, erlebt sehr große Freuden.

+Luc Ravel, Erzbischof von Strassburg


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