Mgr Ravel : Die suche nach sinn und das Wort Gottes - Carrefours.alsace

Seit mindestens 50 Jahren sucht man nach dem Sinn. Wohin gehe ich? Wozu leben? Was ist das Ziel meiner Arbeit? Nichts ist klar in diesem Heißhunger nach Sinngebung und Sinnfindung. Und wenn die „Weitergabe“ in der Familie oder in der Schule so schwierig ist, liegt das unter anderem daran, dass der Sinn des Tuns, der Sinn der eigenen Menschlichkeit sich nicht von selbst ergibt. Wie man schon oft geschrieben hat: Unsere Welt gibt uns viele Möglichkeiten, um zu leben, aber wenige Vernunftgründe, um zu leben. Man kann noch hinzufügen, dass die Welt von Morgen, die wir unseren Kindern übergeben, nichts sehr einladendes hat mit den enormen Schulden, die ihr Erbe sein werden: eine ökologische, finanzielle und soziale Schuld usw.

Mgr Luc Ravel / Erzbischof von Straßburg

Die Bibel erhebt ihr Haupt

Die Schönheit des Wortes Gottes kommt von ihrer erstaunlichen Fähigkeit, die Flamme wiederzubeleben, indem sie ihr Sinn gibt. Da, wo die Philosophien aufgeben, erhebt die Bibel ihr Haupt. Da, wo die Spiritualitäten Momente des Lebens bieten, losgelöst von einer wahren Stetigkeit (den Augenblick mit Ausgeglichenheit und Konzentration usw. leben), bieten die Schriften eine umfassende Schau der individuellen Existenz und der Geschichte des Menschen an. Man findet dort sehr wenige Ratschläge zum Meditieren, um sich den Augenblick anzueignen, um sich zu konzentrieren.

Das werden die großen christlichen Spiritualitäten sein, die im Laufe der Jahrhunderte Betrachtungen zum Gebet entwickeln werden. Was das Übrige angeht, sprechen sie nie von Techniken und Methoden der Meditation. Unsere Theologie der Mystik hält sich davon fern, aus Gründen, die zu ausführlich sind, um sie hier in dieser Mitteilung zu erklären. Aus diesem Grunde fühlen sich die Christen manchmal ein wenig hilflos im Vergleich zu anderen Religionen, die sehr auf diese Techniken ausgerichtet sind, und sie wünschen sich, ihre christliche Praxis durch andere Übungen wie z.B. das Yoga zu ergänzen. Während der ersten Jahrhunderte ließen sich die Christen sehr von den Stoikern und ihren geistigen Übungen beeinflussen.

Lasst uns zum Wort gehen (dans l’original il n’y a pas ce titre !)

Dagegen macht uns das Wort Gottes den gesamten Sinn unseres Lebens wie auch den Sinn der Menschheitsgeschichte deutlich. Auf jeder Seite spricht es von der Ewigkeit, von der Auferstehung, vom Ende der Zeiten mit der Rückkehr Christi. So als ob das Wort, anstatt sich um die Qualität jedes Wortes eines Buches zu kümmern, es vorzöge den Handlungsablauf, die Erzählung in ihrer Vollständigkeit und im Besonderen ihr Ende zu pflegen. Man kennt die Konsequenzen eines fehlgeschlagenen Abschlusses eines Kriminalromans und im Gegensatz dazu ein gelungener Schluss Ende bei einer Spannung, die bis zum Ende anhält. Man möge mir dieses Bild verzeihen, aber ich finde es sehr treffend.

Lasst uns zum Worte mit Begeisterung und Treue gehen, indem wir dort das, was es uns geben kann, suchen. Da, in dem von Gott enthüllten und vom Menschen gefundenen Sinne, finden

wir einen Schwung, der die schrecklichen Zeiten, in denen unser Geist manchmal ins Schwanken kommt, überwindet. Mit Elan kommen wir weit auf dem Weg der Liebe.

+Luc Ravel, Erzbischof von Straßburg


1 Comment

Mgr Ravel : la soif de sens et la Parole de Dieu - Carrefours.alsace · mercredi 1 janvier 2020 at 0 h 05 min

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