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Luc Ravel : Die Erde befragen

 

In Frankreich ist kein Stein zu finden, der nicht von Menschenhand umgedreht wurde. Hügel, die wieder verwildert sind, lassen an das Gegenteil denken. Wenn man genau hinschaut, würde man in unseren heutigen Maquis, wohl Pfade, Ufer und Mauern finden. Die Natur hat wohl einige Erdflächen zurückerobern können. Nichtsdestoweniger ist Frankreich ein Land, das dem Menschen ganz anvertraut wurde und ihm unterworfen ist. Die Gipfel selbst bewahren oft Spuren davon, wenn man dort Statuen findet, Marienstatuen, die von Bergsteigern, die sowohl kühn wie fromm waren, auf dem Rücken hinaufgetragen wurden. Wenn man in Frankreich von den Naturrechten in Begriffen spricht, die denken lassen, dass der Mensch hier nichts zu tun hat, dem wird von der Geschichte und der Geographie widersprochen. So viele Reisende bewundern dieses Frankreich der Wälder, der Felder, der Wiesen, der Landschaften, die von Jahrhunderten geprägt und geformt wurden.

 

Wem ist das zu verdanken ? Selbstverständlich haben einige bemerkenswerte Gärten von einer Leidenschaft, einer Kompetenz und einem Können für  Grünanlagen geerbt, um die viele Frankreich beneiden. Aber der gröβte Teil dieses Kunstwerkes, die unsere Landschaften bilden, sind ganz offensichtlich das Werk unserer lieben Bauern. Dieses Wort drückt ein körperliches Verhältnis mit dem Land jenseits einer rein wirtschaftlichen Aktivität aus. Die Arbeit des Bauern betrachtend und den Glanz Frankreichs , habe ich nicht die Absicht unsere Landwirtschaft auf  eine  einfache  Rasenpflege  zu reduzieren. Man hat sich  Landwirte vorgestellt, die für die Landschaftspflege bezahlt werden und so zu unserer Tourismuswirtschaft beitragen. Dieser Auftrag ist nicht herabsetzend. Aber sie vernachlässigt das, was das Wesentliche des Bauern bildet. Das heisst : die Erde schön zu fragen , was sie uns geben kann oder geben will. Und wenn sie geantwortet hat, soll er sie würdig  begrüssen, indem  er  das Beste ihrer Spenden demjenigen opfert, der alles geschaffen hat.

 

Wenn man ein Jahrhundert zurückblickt, es war die Epoche von Paul Claudel. Es war das ländliche Frankreich unserer Kirchen und der Glocken, die das freudige Gebet verbreiten. Das Frankreich Ernährerin seines Volkes, tief verbunden mit seinem Land. In Mariä Verkündigung, seinem ersten Theaterstück stellt sich Claudel den Dialog einer jungen Frau, die viel gesunden Menschenverstand besitzt, Violaine mit dem groβen Architekten und Dombaumeister, Pierre de Craon vor. Violaine entgegnet diesem, der über die Sonne mit vieler Poesie erzählt, mit ihrem Humor und der Wahrheit einer Landbewohnerin : « Mir genügt diese Sonne, die untergehen wird. Während meines ganzen Lebens habe ich das selbe wie sie getan, ich bin mit ihr aufgestanden und bin mit ihr zu Bett gegangen. » Und sie fügt hinzu : « Befrage die alte Erde und sie wird dir immer mit Brot und Wein antworten. » Im Elsass antwortet die Erde mit Wein und Brot aber auch mit Hopfen und Kohl. »

 

Die Verbindung der Fruchtbarkeit der Erde und der Respekt ihrer Natur wurde nie von denjenigen, die sie bebauen, vergessen. Die Übertreibungen sind für die Ökologie das, was die Ausnahme von der Regel für die Grammatik ist. Der Bauer wählt nicht so auβer unter dem Druck der Bankiers. Ihm sind die Rentabilität und die Schönheit genauso wichtig. Genauergesagt, weil er seine Familie und sein Land liebt. Die Beiden wurden ihm von Gott gegeben.

+Luc Ravel,
Erzbischof von Strassburg

 

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